VorbemerkungDie Entwicklung der Seniorenheime aus Kranken- und Siechenhäusern hat zu
Strukturen geführt, die durch die Wirklichkeit eingeholt wurden. Wohnen und
Leben stehen heute im Vordergrund, medizinische und pflegerische Versorgtheit
ist eher zur wenngleich betonten und subjektiv herausragenden
Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, daß die
Pflegebedürftigkeit bei steigender Lebenserwartung mehr und mehr zunimmt, also
pflegerisches und medizinisches Wissen nicht nur nach wie vor, sondern in immer
umfangreicherem Maße, gefordert ist. Rollendefinition der PflegendenAus unserer Unternehmensphilosophie und dem dort vorgetragenen Menschenbild
folgt, dass wir als Pflegende die Bewohner nicht als Gegenüber oder gar als
Objekte betrachten, sondern beide treten vielmehr in eine Art Partnerschaft ein,
die den Pflegenden mit mehreren Rollen konfrontiert. Der Pflegende in
Institutionen ist gleichermaßen emotional zugeneigter Mitmensch (persönliches
Engagement), Experte (fachliches Wissen) und Dienstleister (marktorientierte,
organisatorische und betriebswirtschaftliche Kompetenz). PflegeverständnisIn diesem Sinne pflegen wir bedarfsgerecht und aktivierend und beziehen die vorhandenen Ressourcen und biographischen Daten in unser interaktives Handeln mit dem Bewohner ein. Wir berücksichtigen hierbei dessen individuellen Wünsche und Bedürfnisse.In Anbetracht voranschreitender körperlicher, geistiger und sozialer Verluste im Alter gewinnen diese menschlichen Grundbedürfnisse nach Überschaubarkeit, Beziehung, Wertschätzung, Sicherheit, Privatheit, Unabhängigkeit und Identität immer mehr an subjektiver Bedeutung, weil der räumliche Radius ihrer Befriedigung zunehmend geringer wird und schließlich in der eigenen Wohnung mehr oder weniger seinen Fokus findet. Daraus erhellt, dass bei der Berücksichtigung solcher Bewohnerbedürfnisse gerade eine Betonung der Wohnatmosphäre angezielt werden muß. Dies gelingt in erster Linie durch die enge Zusammenarbeit der Pflege mit dem hauseigenen psychosozialen und gerontopsychiatrischen Dienst. Ziel ist es, die soziale und kulturelle Integration zu fördern und den Tag sinnvoll und sinngebend durch ein breites Spektrum an Betreuungs- und Aktivierungsangeboten sowie durch die Förderung religiöser Gewohnheiten und Traditionen zu gestalten. In diesem Sinne versuchen wir durch unser pflegendes Handeln, die alten Möglichkeiten wiederherzustellen oder neue zu schaffen, um den Tag auszugestalten. Die unabänderlichen Verluste helfen wir zu kompensieren oder zu verarbeiten, so dass Leben überhaupt noch als „Geschenk" und nicht vielmehr als Last empfunden werden kann. Sterben und Tod, diese allzu häufig verdrängten und mißachteten Tatsachen, haben in diesem Zusammenhang als Abschluß des Lebens zu gelten. Auch und vielleicht gerade hier wollen wir, ebenso wie bei allen anderen Inhalten und Aufgaben des Lebens im Alter die betroffenen Menschen als engagierte Personen, als Experten und als Dienstleister beraten, unterstützen und begleiten. |