Konzeption des Psychosozialen Dienstes
der Seniorenhäuser der SeniVita

Leitbild

Konzept

1. Auf die Bewohner bezogene Ziele und Aufgaben

2. Auf Angehörige und Freunde bezogene Ziele und Aufgaben

3. Auf Kolleginnen und Kollegen bezogene Ziele und Aufgaben

4. Betriebsbezogene Aufgaben

5. Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit

Abschließendes

 

Leitbild

Die Gesamtkonzeption eines – wie der Name schon sagt - psychologisch orientierten psycho-sozialen Dienstes ist auf dem "Markt" der Seniorenbetreuung keineswegs selbstverständlich, ja man kann sagen, eher ungewöhnlich. Was ist nun das Eigentümliche an dem, wie wir diese psychosoziale Betreuung auffassen?

Charakteristisch ist zunächst einmal die enge Verzahnung mit der Pflege, die ja ihrerseits heftige Wandlungen erfahren mußte. Altenpflege entwickelte sich innerhalb der letzten Jahrzehnte mehr und mehr zum ganzheitlichen, personzentrierten und aktivierenden Tun. Altenpflege nimmt als solche auf die Gesamtbedürftigkeit der Menschen Rücksicht und erfordert deshalb auch mehr und mehr soziologisches und psychologisches Wissen sowie menschliche Kompetenz.

Andrerseits zeigt die eigene Erfahrung - und Statistiken bestätigen diese -, daß die Pflegebedürftigkeit bei steigender Lebenserwartung mehr und mehr zunimmt, also pflegerisches und medizinisches Wissen gefordert ist. Das Alter ist heute zu einem Phänomen ganz eigenen Zuschnitts geworden. Wissenschaftler sprechen gar von einem "neuen Alter".

Die Entwicklung der Seniorenheime aus Kranken- und Siechenhäusern hat zu Strukturen geführt, die durch die Wirklichkeit eingeholt werden. Wohnen und Leben stehen im Vordergrund, gute und professionelle Pflege ist eher zur Selbstverständlichkeit geworden. Was nun macht den neuen Stellenwert dieser Pflege aus, woraufhin findet Pflege statt, in welchem Bezug sollen "dem Leben Jahre geschenkt" werden? Jahre wofür? "Jahre zum Leben", lautet unsere Antwort.

Der Mensch ist ein Wesen mit einer Vielfalt von Bedürfnissen, angefangen von rein körperlichen und lebenserhaltenden bis hin zu religiösen und der Frage nach dem Sinn. Die Gesamtheit aller dieser Lebensvollzüge, aber auch deren problematischen Seiten und Verluste, macht das aus, was wir meinen, wenn wir von Ganzheitlichkeit sprechen. Alter ist ein Lebensabschnitt, in dem immer häufiger immer schwerere Verluste zu verarbeiten sind. Der Ausgleich solcher Verluste ("Kompensation") in körperlichen, sozialen und geistigen Gebrechen wird zunehmend schwieriger. Ja er wird mitunter so schwierig, daß er von einzelnen Senioren gar nicht mehr ohne Hilfe und Unterstützung geleistet werden kann. Und genau hier liegt das Aufgabenfeld moderner Seniorenarbeit. Das Spannungsfeld, ja die Spannungsfelder, die hier vorzufinden sind, legitimieren professionelles psychologisches Knowhow nicht nur, sondern machen dieses geradezu erforderlich.

Der PSD, so wie wir ihn verstehen, faßt sich auf als integrierende und alle Arbeitsbereiche unseres Hauses unterstützende Abteilung. Sein systematisches Ziel ist die begründete und bestmögliche Bereitstellung einer dem einzelnen Bewohner angemessenen und seinen individuellen Eigenarten entsprechenden Lebenswelt und eine entsprechende Lebensführung zu ermöglichen.

Sein mit dem Einzug ins Seniorenhaus beginnender neuer Lebensabschnitt soll durch den umfassenden Aufgabenbereich des PSD den allzu befremdlichen oder gar beängstigenden Charakters eines "Altenheimdaseins" so weit wie möglich verlieren. Dieser neue Lebensabschnitt soll sich nach allen Seiten hin im Sinne der Lebensqualität und der gelingenden Bewältigung öffnen.

Das heißt, daß die agierenden Personen dieser Umwelt möglichst förderliche Rahmenbedingungen und Strukturen zu verwirklichen haben, um als Teil der ganzheitlichen Lebenswelt des Heimbewohners in Aktion und Interaktion zu treten.


Konzept

Oberstes Ziel des PSD muß es folglich sein, die vielfältig notwendigen Integrations- und Bewältigungsleistungen aller Beteiligten zu unterstützen:

  1. die des Bewohners (Heimeintritt und -aufenthalt als neue und schwierige Entwicklungsaufgabe - Fortsetzung und Ausgestaltung seines vorhergehenden Lebens)
  2. die der Angehörigen (Bewußtsein des Überfordertseins und der "Abschiebung" vs. vertrauensvolle Übergabe des Verwandten in die Hände von Fachpersonal),
  3. die der Mitarbeiter (Pflegekräfte vs. emotional zugeneigte Begleiter),
  4. die des Betriebes (Wirtschaftsbetrieb vs. Wohnwelt) und
  5. die der Öffentlichkeit (Distanz vs. Nähe) zu unterstützen.

1. Auf die Bewohner bezogene Ziele und Aufgaben:

Grundprinzip ist hier, dem Bewohner zu einer sinnvollen und sinngebenden Lebensführung zu verhelfen. Sein Selbstkonzept und Selbstbewußtsein soll sich in der Erfahrung verstärken, so weit wie möglich bestimmende Ursache der Alltagsverrichtungen zu sein. Er muß wählen können und innerhalb dieser Wahlmöglichkeiten bei sich selber bleiben dürfen.

Im einzelnen nimmt hier der PSD folgende Aufgaben wahr:

  • Erarbeiten von Richtlinien für die Durchführung psychosozialer Prinzipien und Methoden.
  • Festlegen der Anforderungen an die Qualität der psychosozialen Betreuung sowie deren fortlaufende Aktualisierung.
  • Gewährleistung der für die seelische und soziale Integration förderlichen Maßnahmen:
    Individuelle Anamnese- und Biographiearbeit.
  • Bei Bedarf Diagnostik durch hauseigenen Diplompsychologen (standardisierte Testverfahren, kontrollierte Beobachtung, Lebenslaufforschung), auch in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten
  • Erarbeitung eines Konzepts der Intensivbetreuung neuer Bewohner bei deren Einzug und dessen Durchführung.
  • Systematische Einbindung des Pflegepersonals, der Angehörigen und Freunde sowie der ehrenamtlichen Helfer in den neuen Lebensabschnitt
  • Planung und Durchführung von Freizeitprogrammen (kreatives Gestalten, Seniorensport, Heimkino, Sängerkreis, Musikantenkreis, Lesen und Erzählen, Spaß und Spiele, etc.)
  • Planung und Durchführung individuell begründeter Betreuungen.
  • Einzelbetreuung (basale Stimulation, passive und aktive Bewegungsübungen....)
  • Entspannungsübungen
  • Gruppenbetreuung (Morgenrunde, Gymnastik, Sinnesschulungen, Malen, )
  • Gedächtnistrainings
  • Orientierungstrainings (SET nach B. Romero)
  • Gewährleistung einer möglichst großen Vielfalt existentieller Lebensäußerungen
  • Organisation und Durchführung von Ausflügen
  • Organisation und Durchführung von Einkaufsfahrten, Arztbesuchen etc.
  • Bereitstellung von Mitteln zur Befriedigung individueller Interessensfelder (Möglichkeit zu kochen, zu gärtnern usw.)
  • Umgang mit Haustieren
  • Ermöglichung und Förderung der Ausübung religiöser Praktiken
  • Organisation und Durchführung von Festen und Feiern
  • Bewusstes erleben des Jahreskreislaufes
  • Integration in das Gemeindeleben
  • Gewährleistung der Organisationsstrukturen
  • Entwicklung einer einheitlichen Pflege- und Betreuungsdokumentation
  • Planung und Durchführung von Bewohnerbefragungen zur Wohnzufriedenheit
  • Erstellung von Pflege- und Betreuungsplanungen
  • Schulung und Durchführung von Sterbebegleitung

2. Auf Angehörige und Freunde bezogene Ziele und Aufgaben:

Im einzelnen nimmt der PSD folgende Aufgaben wahr:

  • intensive Betreuung der Angehörigen v.a. im unmittelbaren Umfeld des Einzugs ihres Verwandten.
  • Betreuung und Beratung der Angehörigen bei psychosozialen Problemen bezüglich ihres Verwandten bzw. ihrer spezifischen Situation.
  • systematische und kontrollierte Einbindung in den neuen Lebens- und Lebensweltabschnitt (Teilnahme an Festen und Feiern, Teilnahme an Ausflügen etc.).
  • Hilfe bei der Organisation und Durchführung von Angehörigenabenden (Angehörigenbeirat?).
  • Betreuung bei der Sterbebegleitung und beim Tod ihres Angehörigen.

3. Auf Kolleginnen und Kollegen bezogene Ziele und Aufgaben:

Aus der integrativen Position des PSD geht die Aufgabe hervor, vor allem auch die Zusammenarbeit im gemeinsamen Ziel zwischen den einzelnen Abteilung zu fördern und die psychosozialen Leistungen allen Mitarbeitern gleichermaßen zukommen zu lassen:

Der PSD ist in diesem Zusammenhang bestrebt,

  • daß alle Mitarbeiter in ihrer psychischen und kommunikativen Kompetenz unterstützt und motiviert werden, damit private oder mit der beruflichen Tätigkeit verbundene Konflikte möglichst gering gehalten werden,
  • daß psychologisch relevante Fortbildungsveranstaltungen organisiert und angeboten werden,
  • daß der psychosoziale Umgang mit Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern durch Balintgruppen und Beratung begleitet wird.

4. Betriebsbezogene Aufgaben:

Auf Grundlage seiner abteilungsübergreifenden Tätigkeit, ist der PSD ebenso qualifiziert, über Organisationsprozesse im engeren Sinne hinaus auch an grundlegenden Entscheidungen und Strukturierungen den Gesamtbetrieb betreffend mitzuwirken.

Mögliche Aufgabenbereiche sind hier im einzelnen:

  • Teilnahme an/Durchführung von Einstellungsgesprächen und –interviews
  • Mitwirkung bei der Heimgestaltung und Hausorganisation:
    Einrichtung des Hauses / Ausstattung des Hauses
  • Teilnahme an und Mitgestaltung von Heimbeiratssitzungen
  • Durchführen von abteilungsbezogenen Besprechungen
  • Teilnahme an abteilungsübergreifenden Besprechungen
  • Teilnahme an Dienstübergaben der Pflege
  • Teilnahme/Stellungnahme an der Erstellung von Pflegeplanungen
  • Teilnahme an MDK- Begutachtungen zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit.
  • Teilnahme an Pflegevisiten und Stellungnahme

5. Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit

Öffentlichkeitsarbeit eines Seniorenhauses oszilliert von ihrem Wesen her zwischen betriebswirtschaftlichen und psychosozial-therapeutischen Erwägungen. Sie gründet jedoch primär im humanitären Konzept des zitierten Leitbildes: Wenn das Leben des alten Menschen mit Eintritt in seine neue Wohn- und Lebenswelt ein größtmögliches Maß an Fülle behalten oder gar erhalten soll, so ist es geradezu geboten, auch die Öffentlichkeit in dieses Leben einzubeziehen, die "Wohnwelt Heim" für die Lebenswelt offenzuhalten oder zu öffnen und das öffentliche Interesse an der betreffenden Institution zu fördern.

Dem PSD stellen sich in diesem Zusammenhang folgende Aufgaben:

  • Kontakte zu öffentlichkeitswirksamen und –relevanten Organisationen (z. B. Seniorenkreise, Kindergärten...) und deren Einbindung in die Lebenswelt der Bewohner.
  • Planung und Durchführung von Festen, bei denen die Öffentlichkeit ihren Platz hat
  • Mitgestaltung einer öffentlichkeitswirksamen Broschüre über das Heim
  • Gestaltung und Verbreitung von relevanten Informationen zur Selbstdarstellung des Hauses, seiner Mitarbeiter, seiner Abteilungen und Besonderheiten
  • Systematische Einbeziehung ehrenamtlicher Helfer im Hinblick auf:
    + Krankenbesuche,
    + Begleitung bei Ausflügen und sonstigen Exkursionen,
    + religiöse Veranstaltungen,
    + Mitgestaltung und Betreuung von Beschäftigungsgruppen.
  • Planung und Durchführung von Veranstaltungen, in welche Interessenten von außerhalb einbezogen werden (z.B. Gedächtnistrainingsprogramm)

Abschließendes

Mit Bezug auf unsere Unternehmensphilosophie steht gerade im psychosozialen Bereich der Gedanke, dass wir Menschen in vielerlei Hinsicht "offene" Wesen sind. So ist das Wie des Lebens nicht genetisch festgelegt, sondern muß durch uns gestaltet werden.

Doch wir sind nicht nur Architekten unseres eigenen Lebens, sondern auch Gestalter unseres Zusammenlebens. Wir sind soziale Geschöpfe. Wir sind als solche in vielfacher Weise bedürftig und auf andere und anderes angewiesen. Wir planen und handeln.

Aber wir erleiden auch "Widerfahrnisse". Wir sind offen im Hinblick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir deuten unsere Erinnerungen, erfühlen den Augenblick, wissen um unseren Tod und hoffen auf Ewigkeit. Wir "besorgen" die Welt, "sorgen für" uns und andere, "machen uns Sorgen" über Gelingen und Scheitern.