Das leise instrumentale Anspiel
Bei den beatmeten Kindern im Wohnbereich Takatuka-Land finden die Therapiestunden mit den „leiseren“ Tönen statt. Die Einzelförderungen werden meistens nachmittags am Bett der Kinder abgehalten.
Das Anspiel mit der sanft klingenden Veeh-Harfe, oder der Gitarre mit Gesang wirkt auf die Kinder mit einem Wachkoma sehr stimulierend. So reagiert Ismail auf mein Begrüßungslied mit der Gitarre z.B. mit Augenbewegungen, Lockerung und Öffnung der Gesichtszüge oder auch diversen Mundbewegungen. Manches Stirnrunzeln erfolgt, wenn ich z.B. eine Liedpassage wie das Begrüßungslied verändere oder spiele (oder seiner Meinung nach falsch spiele). Ein Wieder-Erkennen der Melodien und Lieder ist bei diesem Kind deutlich spürbar.
Häufig bietet das Anspiel mitunter Ablenkung von körperlichem Unwohlsein, z. B. hört Ismail bei Schmerzen auf zu weinen und entspannt sich zusehends, während er sich auf die angebotenen Klänge einlässt.
Das kräftigere Anspiel
Kinder mit einem erhöhten Bedürfnis an Sinnesreizen (z.B. mit stärkerer Hör- und Sehschwäche) reagieren hingegen auf lauteres und schnelleres Anspiel der stärker schwingenden Instrumente sehr positiv. So „baden“ manche Kinder zum Spiel der „Klangwellen“ der Ocean-Drum oder in improvisierten Tonreihen auf den Klangbausteinen.
Das Unterstützte Instrumentalspiel
Die Kinder werden von mir auch dabei unterstützt, die verschiedenen Instrumente auszutesten, und ein improvisiertes Spiel zu entwickeln. Ihre Vorlieben, z.B. ob eine Aktion wiederholt werden oder anders gestaltet werden soll, wird mir von jedem Kind auf seine ganz eigene Art und Weise mitgeteilt. Beispielsweise sagt mir Maximilian mit einem Zungenschnalzen, dass sein Spiel auf der Trommel weitergeführt werden soll oder durch Lächeln ob ihm eine Spielaktion gefallen hat. Spüre ich, dass den Kindern diverse Klänge zu laut werden oder sonst missfallen, wechsele ich die Instrumente
Das aktive Instrumentalspiel
Für Kinder, die in der Lage sind einfache Bewegungen durchzuführen, bietet das aktive Instrumentalspiel wie z. B. das Anzupfen der Saiten der Gitarre oder Veeh-Harfe, sowie das Führen eines Schlägels zur Trommel oder auf ein Glockenspiel, eine nicht unerhebliche Motivation, ihre Bewegungen zu trainieren und motorischen Fähigkeiten auszubauen. Mit einigen Hilfsmitteln können Kinder, welche in ihrer Bewegung sehr eingeschränkt sind, zum Mittrommeln ermutigt werden.
Die Gemeinschaft und die Alarme
Nach Möglichkeit werden auch Gruppen (zwischen 4 8 Kindern) in den beiden Wohnbereichen der Kinderarche abgehalten: Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Kinder, über 60 Min. in ihren Rollstühlen aufrecht sitzend (!) den musikalischen Angeboten zu folgen und somit am musikalischen Gruppenerleben teil zu haben. Der gemeinschaftsfördernde Charakter des Musikerlebens bedeutet für die Kinder eine wichtige Abwechslung in ihrem Alltag. Messbar ist dies z. B. auch daran, dass sich die „Alarmquote“ (Alarme werden von den Messinstrumente für Blutsättigung und Herzfrequenz ausgelöst) innerhalb der Gruppenstunde sehr reduziert. Die angezeigten Vitalwerte liegen während der Aktionen meistens im „grünen Bereich“, was für die Kinder bei längerem Sitzen im Rollstuhl nicht immer selbstverständlich ist.
Die Schlagwerkgruppe ein Angebot für Kinder, welche ein stärkeres Reizangebot bevorzugen:
Das neueste Projekt meiner musiktherapeutischen Arbeit ist die im Wohnbereich abgehaltene Trommel- und Schlagwerkgruppe. Ziel ist es, durch das Trommeln vor allem für die älteren Kinder ein neues Klangangebot zu schaffen.
Das tragende Element improvisierter Trommelrhythmen kombiniert mit diversen Rhythmusinstrumenten erscheint mir hier als Angebot sehr geeignet.
Die Reaktionen auf die erstmals im Juni abgehaltene Spielgruppe übertrafen unsere Erwartungen: Die für die Gruppe ausgewählten Kinder waren bei der Sache, reagierten positiv z.B. mit Lachen und ließen sich auf die dargebotenen Rhythmen und Klänge ein. Selbst die Kinder, welche in den angrenzenden Zimmern lagen, hörten dem Trommelspiel zu es waren zu dieser Zeit keine Alarme zu hören. So konnten sich sogar einige Mitarbeiter am improvisierten Spiel beteiligen.
Die Erfahrungen mit den Kindern zeigen, dass die Musiktherapie einen wichtigen Stellenwert im ganzheitlichen Behandlungskonzept der Kinderarche St. Christophorus einnimmt und zur Steigerung der Lebensqualität der Kinder erheblich beiträgt.
Anette Heinrichs, Musiktherapeutin
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